Verkehrsminister Scheuer übergibt Förderurkunde an MdB Straubinger und Prof. Dr. Spittler

Der Landkreis Rottal-Inn erhält vom Bund eine weitere Förderung in Höhe von 3,6 Millionen Euro für sein Projekt zur telemedizinischen Versorgung auf Basis des 5G-Mobilfunknetzes. Die entsprechende Förderurkunde übergab Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gestern bei einer virtuellen Veranstaltung an den Bundestagsabgeordneten Max Straubinger (CSU) und den Projekt-Gesamtleiter Prof. Dr. Thomas Spittler vom European Campus Rottal-Inn der TH Deggendorf.

Prof. Spittler dankte für die Förderung und erklärte dem Minister das Projekt. Ziel sei, die Möglichkeiten der 5G-Mobilfunktechnologie in verschiedenen konkreten Anwendungsfällen zu untersuchen. So soll beispielsweise die Telemedizin mit 5G-Standard bei Konsilen als Entscheidungshilfe dienen. „In den Versorgungskrankenhäusern stehen nicht immer alle Fachärzte zur Verfügung, um an Konsilen teilzunehmen oder um Patienten vor Ort zu untersuchen. 20 bis 45 Minuten Fahrweg zwischen den Krankenhäusern sind hier notwendig. Dank Telekonsilen müssen weder Ärzte noch Patienten transportiert werden. Das spart Zeit, Kosten, Belastungen und Stress und erhöht somit die Patientenversorgung und Zufriedenheit aller Beteiligten“, erklärte Spittler.

Auch bei der Ortung von Personen und Gegenständen in Krankenhäusern könne 5G helfen, so Spittler. „In Kliniken besteht die Notwendigkeit, Gegenstände zu lokalisieren und Personen zu lotsen. Dies reicht von verwirrten und verirrten Personen bis hin zu Personal, das schnell benötigt wird. Auch der Aufenthaltsort medizinischer Geräte ist nicht immer sofort bekannt und kann so schnell geortet werden. Zudem kann damit Zeit und Geld gespart werden, da bei mehreren Standorten nicht immer alle dasselbe Gerät benötigen.“

Weitere Anwendungsmöglichkeiten seien beispielsweise die Lieferung von Defibrillatoren per Drohne oder Live-Videos von Patienten im Rettungswagen mittels 360-Grad-Kamera, die in Echtzeit an die Notaufnahme der Rottal-Inn-Kliniken übermittelt werden. Dadurch kann sich das Personal in der Notaufnahme frühzeitig ein Bild von der Schwere einer Verletzung machen, noch bevor der Patient tatsächlich in die Notaufnahme eingeliefert wurde.

MdB Max Straubinger lobte die hervorragende Arbeit aller Projektbeteiligten und sicherte seine weitere Unterstützung zu. „Gerade in der aktuellen kritischen Phase der Corona-Pandemie sehen wir deutlich, wie wichtig moderne und innovative Lösungen zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum sind. Aber auch unabhängig von Corona stellen der demografische Wandel und der Ärztemangel unsere Heimat vor große Herausforderungen. Deshalb freue ich mich, dass der Bund die wertvolle Arbeit des Landkreises Rottal-Inn, des European Campus, und ihrer Projektpartner weiter unterstützt.“ Straubinger dankte neben den Verantwortlichen im Landratsamt um Landrat Michael Fahmüller auch Campusleiter Prof. Dr. Horst Kunhardt und Prof. Spittler vom European Campus sowie Hochschulkoordinator Georg Riedl.

Mit der Idee, die medizinische Versorgung im ländlichen Raum durch Telemedizin zu verbessern, gehörte der Landkreis mit seinen Projektpartnern bereits Anfang 2020 zu den Gewinnern eines Innovationswettbewerbes des Bundesverkehrsministeriums. Dank zusätzlicher Mittel aus dem Konjunkturpaket zur Bekämpfung der Corona-Pandemie konnte dieser Wettbewerb nun ausgeweitet werden. Landkreis und European Campus nehmen damit auch an der nächsten Stufe teil, der Umsetzungsförderung. Dadurch profitiert das Projekt nun erneut von einem Zuschuss aus Bundesmitteln.

In der neuen Phase des  Projektes geht es unter anderem um die stärkere digitale Vernetzung von Rettungswägen und Kliniken und um die schnelle Übertragung von Bildern bei Televisiten. Außerdem sollen erste Erfahrungen im Telemedizin-Unterricht von Auszubildenden und Studenten gesammelt werden. Beteiligte des Projektes unter der Gesamtleitung des European Campus Rottal-Inn der Technischen Hochschule Deggendorf sind der Landkreis Rottal-Inn, das Bayerische Rote Kreuz, die Rottal-Inn-Kliniken, das Fraunhofer-Institut und die Firmen meddv (Rettungswagenausrüster) und becon GmbH (Digitalisierungsdienstleister).

 

Foto: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur