Erwiderung auf Leserbriefe hinsichtlich der Caritas am 1.4.21

Die Kritik von Diakon Sattich-Jaklin an den privaten Pflegedienstleistern ist nicht verständlich. Ohne die Öffnung des Pflegemarktes für privates Kapital wäre die Pflegelandschaft ganz schlecht aufgestellt. Das derzeit umfangreiche Angebot an Pflegeplätzen hätte die öffentliche Hand allein nicht schaffen können. Selbstverständlich müssen die Privaten wie die Caritas und die Diakonie mit ihren Heimen gewinnbringend wirtschaften. Man kann nicht mit ständigen Verlusten und Draufzahlen Heime führen.

AWO-Vorstandsmitglied Irene Iglmeier schreibt, die AWO stehe der Caritas bei der Entlohnung der Mitarbeiter in nichts nach. Das stimmt einfach nicht. Die öffentliche Hand zahlt wohl am besten, aber spätestens dann kommt schon die Caritas und dann kommen die meisten Privaten. Die AWO zahlt nicht besser als die Privaten. Ich bleibe dabei: Es ist scheinheilig von AWO und verdi, eigenmächtig einen bundesweiten Tarifvertrag auszuhandeln, und diesen dann nicht einmal selbst anzuwenden, nur weil die Allgemeinverbindlichkeit zurecht gescheitert ist. Mit Anwendung ihres eigenen Tarifvertrages hätte die AWO ein Vorbild in der Pflegelandschaft sein können. Diese Chance hat sie vertan.

Generell bin ich sehr skeptisch, ob ein bundesweiter Tarifvertrag in der Altenpflege überhaupt sinnvoll ist. Angesichts sehr unterschiedlicher Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Regionen Deutschlands bin ich der Meinung, dass wir Tarifvielfalt brauchen. Es gibt ja beispielsweise auch unterschiedliche Metalltarife in Deutschland. Egal ob privat, kirchlich oder anderweitig organisiert: Da der Pflegebedarf so groß ist, kann es sich ohnehin kein Pflegeanbieter leisten, seine Arbeitnehmer schlecht zu bezahlen. Der Wettbewerb wird die Tarife anheben.

Was viele in der ganzen Diskussion auch oft übersehen: Höhere Löhne bedeuten höhere Kosten für die Heime und damit höhere Pflegesätze. Diese müssen bezahlt werden, entweder aus der Pflegekasse, was wiederum die Arbeitnehmer belastet, oder über die Eigenbeiträge der Pflegebedürftigen. Die Eigenbeteiligung an den steigenden Kosten in der stationären Vollzeitpflege ist in der letzten Zeit bereits stark angestiegen, hier müssen wir dringend aufpassen, die Heimbewohner nicht zu überbelasten. Die Ansprüche der Pflegenden und die Lage der Pflegebedürftigen abzuwägen und ins richtige Lot zu bringen – das ist die Verantwortung der Politik.